Fussballgolf Humboldtsee

Eine Kulturlandschaft im Wandel

Vom Braunkohlenabbau zum Erholungsparadies

 

Im östlichen Teil des Kreises Hameln-Pyrmont, nahe der Grenze zu den Nachbarskreisen Alfeld und Holzminden im „Weenzerbruch“ südöstlich von Wallensen, lag der bedeutendste Braunkohlentageabbau im mittleren Niedersachsen.

Weit abseits vom Helmstedter Braunkohlenrevier und den ostelbischen Vorkommen war hier Jungtertiär-Braunkohle abgelagert. Laut einer alten Aufzeichnung aus dem Jahr 1787 soll der Weenzer reitende Förster Rahn durch den Hufschlag seines Pferdes auf schwarzes Material gestoßen sein, das sich dann bei weiterer Prüfung als brennbares Material herausstellte – sprich Braunkohle. Auch erzählte man sich, dass durch das Pflanzen eines Baumes unmittelbar unter der Erdoberfläche Braunkohle festgestellt wurde.

Brikettfabrik im Jahre 1898
Der Tagebau

Wie der Braunkohlenabbau danach in Gang gekommen ist, geht aus Unterlagen im Archiv des Oberbergamtes Clausthal-Zellerfeld hervor. Der Auffindungsbericht vom 15. September 1842 des Verwaltungsbeamten Quaet-Faslem des Amtes Lauenstein, ein Begutachtungsauftrag des Königlichen Oberforstamtes und das Gutachten vom 13. Juni 1843 des Bergbeamten Hartleben des Steinkohlen-Bergwerks Osterwald ist die erste Bestätigung eines Braunkohlevorkommens im „Weenzerbruch“. Die Arbeit und Verwaltung übernahm das staatliche Bergwerk Osterwald und die ersten Schürfe wurden von den Bergleuten Stichweh, Warnecke und Rießner ausgeführt. Abgebaut wurde die Braunkohle hauptsächlich im Tagebau, aber auch in einem Stollen und begann dort, wo sich heute der Ferienpark Humboldtsee befindet. Im Jahre 1846 waren 31 Arbeiter beschäftigt. Wegen Absatzschwierigkeiten und Unrentabilität wurde der Betrieb im Jahre 1861 eingestellt.

Die Preußische Bergwerksverwaltung nahm 1871 den Abbau wieder auf. Im Jahre 1897 begann man mit einem Tiefbaubetrieb, der aber auch wegen fehlender Absatzmöglichkeit bald wieder zum Erliegen kam. Die Braunkohlenlagerstätte wurde 1899 wieder neu aufgeschlossen und die Bergbaugesellschaft Wallensen gegründet, die sich 1901 in die Gewerkschaft Humboldt umwandelte und 1902 zwischen Wallensen und Thüste eine Brikettfabrik errichte. Den Transport der geförderten Kohle von der Grube zur Fabrik übernahm zunächst eine 1250 m lange Seilbahn, die aber später, 1955, direkt vom Flöz über ein Gleiswerk zur Brikettfabrik gelangte. Mit dem Abbau der Braunkohle im Tagebau wurde ab 1903 begonnen. Im Jahre 1925 war das reichste Kohlenfeld ausgebeutet, die benachbarten Felder waren kohlenärmer.

Das Ende des zweiten Weltkrieges 1945 brachte dann einen kriegsbedingten Tiefstand der Produktionsleistungen. Ab 1947 erforderte die ständig größer werdende Nachfrage nach Braunkohle und die wachsende Verbreiterung eine sich immer steigende Kohlenförderung und erreichte 1955 im Jahr 368.500 Tonnen, die Briketterzeugung betrug 96.310 Tonnen.

Nahezu 300 Arbeiter und Angestellte waren in der Gewerkschaft Humboldt beschäftigt. Im Laufe der Jahre wurden auch Bergmannssiedlungen in Wallensen für die Angehörigen der Gewerkschaft errichtet. 1961 wurde zum 60jährigen Bestehen der Gewerkschaft das Bergmannsfest in Wallensen gefeiert. Durch strukturelle Änderungen auf dem Energiemarkt und immensen Absatzschwierigkeiten war man gezwungen, die Kohlegruben und die Brikettfabrik zum 30.06.1966 stillzulegen.

Pressenhaus der Brikettfabrik
Abraum und Kohleabbau im Südfeld

Als im Juli 1966 aufgrund struktureller Änderungen auf dem Energiemarkt die Braunkohlenförderung in Wallensen aufgegeben wurde, blieb eine rund 250 Hektar große klaffende Wunde in der Landschaft zurück. Der Tagebau hatten seine Spuren hinterlassen.

Die Gruben- sowie die Forstverwaltung waren sich einig, dass die stillgelegten Flächen renaturiert werden sollten, gemeinsam nahm man das Projekt in Angriff. Mehr als ein Jahr lang schufen drei Planierraupen ein welliges Landschaftsprofil und ebneten die Steilhänge ein. Nach Stilllegung der Pumpenanlage liefen die vier Hauptabbauflöze der Grube mit einer Tiefe von rund 30 Metern allmählich voll. Es bildeten sich so auf natürliche Weise vier Seen, die sogenannte Duinger Seenplatte.

Im Frühjahr 1967 begannen die aufwändigen und umfangreichen Pflanz- und Aufforstungsarbeiten. Gleichzeit entstand ein Wegenetz, dass auch die angrenzenden Waldflächen einband. Über 600.000 Laub- und Nadelbäume wurden gesetzt, hinzu kamen noch einmal doppelt so viele Pflanzen.

1971 war die gesamte alte Abbaufläche des Braunkohlenbergwerks kultiviert. Die vier entstandenen Seen – der Weinbergersee, der Ententeich, der Bruchsee und der Humboldtsee sowie die Paradiesteiche – nehmen eine Fläche von rund 26 Hektar der ehemaligen Abbaufläche ein. An den Uferzonen siedelten sich rasch Wasserpflanzen an, nach relativ kurzer Zeit waren auch Fische in den Gewässern zu finden.

Die verschiedenen Biotope im ehemaligen Braunkohlenrevier bieten den unterschiedlichsten Tierarten ideale Lebensbedingungen. Für den Naturschutz sind einige der renaturierten Bereiche „stillgelegt“ und für den Menschen nicht zugänglich.

Lok 12 im Bahnhof
Luftbild der Seenlandschaft

Für den Menschen ist dieses Areal zu einem Erholungsgebiet geworden. 1970/71 entstand durch die Initiative von Karl Heinz Geweke am Ufer des Humboldtsees auf zuerst 20 Hektar ein Camping- und Badegelände, das sich bald zum Publikumsmagneten und zu einer touristischen Attraktion entwickelte – das „Ferienland Humboldtsee“. Der großzügig angelegte Campingplatz vergrößerte sich im Laufe der Jahre, heute bietet er genügend Raum für rund 400 Dauer- sowie Saisoncamper.

Die vielfältigen Betätigungsmöglichkeiten am, auf und im Wasser des Humboldt-Sees machen das „Ferienland Humboldtsee“ zu einem wichtigen Naherholungsgebiet im Dreieck Hannover-Hildesheim-Hameln. Dazu tragen auch die Wanderwege durch das Gelände rund um die Seen und die alte Kohlengrube bei, auf denen man den Spuren der alten Nutzung des Weenzer Bruchs nachgehen kann. Interessierten bieten hierbei die bei den Parkplätzen aufgestellten Orientierungstafeln eine Hilfe.